Georg Domian





Eine Zusammenstellung von

Übungen,
       Lektionen,
            Hilfengebung
                 und Unterrichtsbeispielen

















Bodenarbeit:

Verladetraining

Pferde sollten nicht verladen, sondern
eingeladen werden, auf einen Hänger zu gehen.



Verladen - ohne Stress und Hektik



Allgemeines:

Pferde gehen auf Grund ihres Instinktverhaltens nur mit großem Unbehagen in einen Hänger. Es sind Fluchttiere, die bei Gefahr das Weite suchen. Die Enge eines Hängers erscheint ihnen wie ein höhlenartiges Gebilde oder eine bedrohliche Sackgasse. Der schwankende Untergrund und die lauten, polternden Geräusche wirken zusätzlich furchterrregend.
Um die natürliche Angst gegenüber einem Hänger zu überwinden und schließlich ganz zu verlieren, braucht es Zeit und Vertrauen. Zeit, die gut investiert ist, denn ein Pferd, das im Schnellverfahren und vielleicht sogar unter Gewaltanwendung das Verladen kennengelernt hat, wird später kaum vertrauensvoll in einen Hänger gehen. Im Gegenteil, anfängliche Schwierigkeiten entwickeln sich häufig zu großen Problemen.
Mit dem Verladetraining sollte man so früh wie möglich beginnen, um für alle Fälle (z. B. Fahrt in die Tierklinik) vorbereitet zu sein. Vor der Teilnahme am ersten Turnier sollte ein sicheres Verladen ebenso selbstverständlich sein, um zusätzlichen Stress für das Pferd und peinliche Situationen für alle Beteiligten zu vermeiden.


Voraussetzungen:

Der Hänger sollte in einem technisch einwandfreien Zustand sein und keine Verletzungsrisiken in sich bergen. Wird der Hänger für Übungszwecke ohne Zugmaschine genutzt, ist auf einen sicheren Stand zu achten (Handbremse, Unterlegklötze). Die Laderampe sollte gleichmäßig auf dem Boden aufliegen. Die Verriegelungshebel müssen so eingedreht sein, dass sie nicht seitlich vorstehen. Die Höhe der Sperrstange sollte unbedingt zur Größe des Pferdes passen. Es besteht sonst die Gefahr, dass das Pferd sich mit der Kruppe darunter schiebt und in Panik gerät.
Um Beinverletzungen vorzubeugen, sind Gamaschen sinnvoll. Werden Transportgamaschen verwendet, sollte man das Pferd vorher daran gewöhnen.

Das Pferd sollte auf das erste Verladetraining sorgfältig vorbereitet werden. Es sollte sich widerstandslos führen lassen, auf Kommando nach vorn antreten, sich willig rückwärts und seitlich dirigieren lassen. Die Arbeit mit Knotenhalfter und Führseil ist dafür hervorragend geeignet. Sehr nützlich sind Gelassenheitsübungen, wie z. B.: Das Pferd durch einen Engpass schicken, es über Holzpaletten gehen lassen, bzw. es darauf anhalten oder es durch eine dachförmig aufgehängte Plane führen. Ferner ist es sinnvoll, das Pferd mit Berührungsreizen an der Hinterhand vertraut zu machen, damit es später die Sperrstange akzeptiert.

Zur Vorbereitung auf die erste Trainingseinheit sind gute Rahmenbedingungen sehr wichtig. Ein großer, heller Anhänger mit nicht zu steiler Laderampe bietet ideale Voraussetzungen. Beim Aufstellen ist eine stabile, seitliche Begrenzung - z. B. durch eine Bande - oft von Vorteil. Um den Einstiegsbereich freundlich und einladend zu gestalten, sollte das Mittelteil zunächst herausgenommen oder zumindest schräg gestellt werden. Lose Plannenteile müssen aufgerollt und gesichert sein. Die Schlupftür im vorderen Bereich darf nicht verschlossen sein. Zur Belohnung und zur Entspannung sollte ein Futterbehälter so angebracht sein, dass das Pferd in normaler Verladeposition daraus bequem fressen kann. Eventuelle Futterreste auf dem Boden des Hängers sollten sorgfältig entfernt werden, damit das Pferd nicht beim Verladen stehen bleibt und diese aufnimmt. Auf keinen Fall sollte man eine "Futterspur" legen!!!

Wichtig: Erst wenn das Pferd ruhig und in normaler Position auf dem Hänger steht, wird die Sperrstange eingeklinkt. Danach wird das Pferd so angebunden, dass es nicht mit dem Kopf unter die vordere Stange geraten kann. Beim Ausladen ist die Reihenfolge umgekehrt.


Der Weg ist das Ziel

Selbstverständlich gibt es nicht nur einen richtigen Weg, der zum Ziel führt. Ob man beim Verladen vorausgeht, das Pferd seitlich in den Hänger begleitet oder aus der treibenden Position heraus agiert, hängt im Wesentlichen vom Verhalten des Pferdes ab. Jede Variante hat ihre Vor- und Nachteile.

Variante 1:
Manche Pferde fühlen sich sichererer, wenn sie hinter einem hergehen können. Ist das Pferd jedoch nicht willig, einem zu folgen, hat man aus dieser Position kaum Möglichkeiten, es zu "überreden". Außerdem muss man vor dem Pferd unter der vorderen Sperrstange durchtauchen. Eine Bewegung, die viele Pferde verschreckt und die deswegen vorher beim Führtraining geübt werden sollte. Ein weiterer, kritischer Moment entsteht, wenn man die hintere Sperrstange einklinken will. Dazu muss man zwangsläufig seine bisherige Position am Kopf des Pferdes verlassen und zur Hinterhand gehen. Die meisten Pferde bleiben dabei nicht wie gewünscht stehen, sondern sie folgen dem Menschen und treten rückwärts aus dem Hänger.
Diese Variante ist für Pferde geeignet, die bereits sicher auf einen Hänger gehen oder wenn ein erfahrener Helfer zur Verfügung steht.

Variante 2:
Verlädt man ein Pferd alleine, ist es vorteilhafter, es an der Schulter in den Hänger zu begleiten. Dem Pferd wird dadurch mehr Eigenverantwortung übertragen, als wenn es am Kopf geführt würde. Außerdem befindet man sich in einer relativ sicheren Position.
An der Schulter kann man sehr schnell zwischen führender und treibender Position wechseln und das Pferd somit leichter korrigieren (siehe auch:  Bodenarbeit/ am Führseil/ Führen - Treiben - Halten). Wird zur Unterstützung eine Gerte benötigt, ist der Standort ebenfalls optimal. Außerdem ist man dichter an der hinteren Sperrstange und hat auf dem Weg dahin das Pferd besser unter Kontrolle. (Man bleibt immer in der treibenden Position, aus der sich das Pferd leichter nach vorne schicken lässt.)

Variante 3:
Eine elegante und gefahrlose Art sein Pferd zu verladen besteht darin, es selbstständig in den Hänger gehen zu lassen.
Das Pferd wird bis zur Laderampe geführt und von dort in den Hänger geschickt. Der Mensch bleibt seitlich der Laderampe stehen und kann anschließend aus dieser sicheren Position in aller Ruhe die Sperrstange einklinken. Danach wird das Pferd angebunden.
Beim Ausladen ist die Reihenfolge umgekehrt. Zuerst wird der Führstrick gelöst und über den Rücken des Pferdes gelegt. Dann wird die Sperrstange entfernt und das Pferd zum Rückwärtstreten aufgefordert. Im Vorbeigehen kann der Führstrick ohne Hast und Eile wieder aufgenommen werden.
Diese Variante erfordert bei einigen Pferden etwas mehr Übung und Geduld, garantiert aber ein völlig stressfreies Verladen, ohne fremde Hilfe und mit geringstem Unfallrisiko.

   
Ein- und Ausladen ohne fremde Hilfe




Variante für den Notfall:
Es gibt Situationen, die ein schnelles Verladen erfordern. Trotzdem gilt es, Ruhe und Umsicht zu bewahren. Gerät ein Pferd erstmal in Panik, wird alles nur noch schwerer.
Für diese Variante braucht man zwei Longen und zwei erfahrene Helfer. Die Longen werden seitlich am Hänger befestigt. Die Helfer halten die Longen straff gespannt und bilden eine Gasse. Das Pferd wird am Kopf durch diese Gasse zum Hänger geführt. Bleibt das Pferd stehen, wechseln die Helfer ihre Position, sodass sich die Longen hinter dem Pferd kreuzen. Die Schere wird soweit zugemacht, bis die Longen die Hinterhand berühren. Tritt das Pferd daraufhin nach vorne an, muss es überschwänglich gelobt werden und bekommt eine kleine Verschnaufpause. Auf keinen Fall dürfen die Helfer sofort die Longen nachführen und damit permanenten Druck auf das Pferd ausüben. (Es soll auch in dieser Situation lernen, dass der Druck augenblicklich nachlässt, wenn es vorwärts geht.) Anschließend werden die Longen wieder behutsam an die Hinterhand gelegt und der Vorgang wiederholt.
Diese Methode birgt ein hohes Verletzungsrisiko. Das Pferd kann steigen und sich in den Longen verheddern, mit aller Kraft nach hinten drängeln oder ausschlagen. Die Beteiligten sollten auf jeden Fall Handschuhe und festes Schuhwerk tragen. Der Lerneffekt für das Pferd ist gering, weil es keine Eigenverantwortung entwickelt. Wie gesagt, eine Methode für den Notfall.



Das Training:

Es ist ein großer Vorteil, wenn das Pferd die Arbeit mit Führseil und Knotenhalfter kennt. Zum einen bilden die Übungen eine solide Grundlage für das Verladetraining, zum anderen benehmen sich die meisten Pferde kooperativer, sobald ihnen das Knotenhalfter angelegt wird.
Ein Patentrezept für das Verladetraining gibt es nicht, weil jedes Pferd sich anders verhält. Die nachstehend bechriebene Trainingsmethode ist nur eine von mehreren Möglichkeiten. Sie soll am Beispiel der Variante 2 aufgezeigt werden.

Dazu sollte der Hänger auf einem freien, ebenen und möglichst ruhigen Platz stehen. (Eine Reithalle wäre ideal.) Das Mittelteil sollte herausgenommen bzw. schräg gestellt sein, und im Kopfbereich sollte ein Behälter mit etwas Futter zur Belohnung angebracht sein.
Zuerst wird mit dem Pferd wie gewohnt am Seil gearbeitet. (Führen, Rückwärtsrichten, seitliches Dirigieren, Zirkeln etc..) Die Übungen werden dabei mehr und mehr zum Hänger verlagert. Wenn das Pferd die Nähe des Hängers akzeptiert, kann mit dem eigentlichen Verladetraining begonnen werden.
Das Pferd wird an die Verladerampe geführt und bekommt reichlich Gelegenheit, sich mit dem Hänger vertraut zu machen. Es genügt zunächst völlig, wenn es die Laderampe beschnuppert oder vielleicht einen Fuß darauf setzt. Jede positive Reaktion muss sofort überschwänglich gelobt werden. Will das Pferd sich abwenden, wird es wieder freundlich aber bestimmt mit dem Kopf zum Hänger positioniert. Wenn das Pferd mit beiden Vorderbeinen auf der Laderampe steht, ist ein großes Lob und eine kleine Pause (abseits vom Hänger) angebracht.

Im nächsten Schritt wird das Pferd an der Schulter zielstrebig und auf gerader Linie zum Hänger geführt. Wahrscheinlich wird es mit den Vorderbeinen auf der Rampe stehen bleiben. Wichtig ist jetzt, in der treibenden Position dicht hinter der Schulter zu bleiben. Mit der ausgestreckten Führhand wird dem Pferd der Weg in den Hänger gewiesen. Mit der anderen Hand kann man mit einer Gerte die treibende Wirkung dezent unterstützen und es zum Antreten animieren. Sobald das Pferd auch nur einen erkennbaren Ansatz einer Vorwärtsbewegung zeigt, müssen die treibenden Hilfen sofort eingestellt werden und ein Lob folgen. Nach einer kurzen Verschnaufpause versucht man erneut, das Pferd gefühlvoll zu "überreden". Bei manchen Pferden dauert es länger. Auf keinen Fall sollte man die Geduld verlieren oder versuchen, es mit Gewalt zu zwingen bzw. festzuhalten. Oft hilft es, wenn man sich mit dem Pferd ein Stück vom Hänger entfernt, ein paar Übungen macht und danach einen erneuten Anlauf startet.
Wenn das Pferd das erste Mal mit allen Vieren auf dem Hänger steht, sollte man das Training für den Tag beenden. Würde man in dieser Phase die Sperrstange einklinken, wäre die Reaktion des Pferdes nicht vorhersehbar. Es könnte in Panik geraten und sich mit aller Kraft zurückwerfen. Ein demolierter Hänger wäre die Folge und eine Verletzung des Pferdes wahrscheinlich. Auf jeden Fall wäre das Vertrauen zerstört.

Ziel der nächsten Trainingseinheit ist es, das Pferd auf dem Hänger vorwärts und rückwärts zu dirigieren. Es soll sich ruhig und entspannt rückwärts richten lassen, ohne aus dem Hänger zu schießen und jederzeit wieder willig nach vorn antreten. An die Sperrstange gewöhnt man das Pferd am besten schon vor dem Verladen, indem es an der Kruppe und an der Hinterhand damit gestreichelt wird. Akzeptiert es diese Berührungen auch auf dem Hänger, kann es für den Transport vorbereitet werden. Dazu ist das Knotenhalfter unbedingt gegen ein Anbindehalfter auszutauschen! Nach dem Schließen der Ladeklappe, sollte das Pferd einige Minuten auf dem Hänger bleiben. Das Ausladen muss ebenfalls in aller Ruhe geschehen und darf nicht in eine Befreiungsaktion ausarten. Bevor man die Sperrstange ausklinkt, sollte man daran lediglich rütteln. Viele Pferde warten nämlich nur auf dieses Geräusch, um aus dem Hänger zu drängeln. Erst wenn das Pferd ruhig steht, wird die Sperrstange geöffnet. Der gleiche Effekt ist zu beobachten, wenn der Motor ausgeschaltet wird. Die Pferde werden unruhig. Auch hier sollte man mit dem Öffnen der Ladeklappe aus erzieherischen Gründen eine Weile warten.
Die Prozedur des Verladens sollte einige Male geübt werden, bevor das Pferd an den Transport gewöhnt wird. Die ersten Fahrten sollten nur kurze Ausflüge sein, die das Pferd mit angenehmen Erlebnissen verbindet (z. B. zum Grasen auf eine Weide, zu einer Wasserstelle oder zu einem unbeschwerten Spaziergang.) Das Verladetraining bedeutet nämlich immer eine Stresssituation. Selbst bei Pferden, die scheinbar gelassen in einen Hänger gehen, steigt der Puls und der Blutdruck. Aufgabe des Menschen ist es daher, ruhig und vertrauensvoll auf das Pferd einzuwirken.


Zum Schluss noch einige Fehler, die man unbedingt vermeiden sollte.

Dazu gehören: