Verstärkungen im Trab

Übergänge eignen sich hervorragend zur Leistungsbeurteilung eines Pferdes. Besonders Verstärkungen und die damit verbundenen Rückführungen geben Aufschluss über alle Kriterien der Ausbildungsskala.

Bei richtiger Ausführung sollen die Bewegungen des Pferdes taktrein und losgelassen sein, es soll schwungvoll und energisch aus der Hinterhand abfußen und dabei sicher ans Gebiss herantreten, es soll schmalspurig, ausbalanciert und in Selbsthaltung traben. Das Zulegen und die Rückführung sollen fließend und ohne Spannungen erfolgen. Sowohl im Mitteltrab als auch im starken Trab soll das Pferd nicht eiliger werden, nur die Tritte sollen über eine angemessene Rahmenerweiterung raumgreifender werden. Der Takt und die diagonale Fußfolge müssen erhalten bleiben.

Die Anforderungen lassen das hohe Niveau der Übung erkennen. Leider sieht man in der Praxis häufig zwar spektakuläre Trabverstärkungen, die jedoch keiner kritischen Betrachtung standhalten. Die Pferde traben teilweise im "Stechschritt", ohne den erforderlichen Schub aus der Hinterhand. Ein weggedrückter Rücken, herausgestellte Hinterbeine und eine nicht diagonale Fußfolge sind immer Anzeichen für eine fehlerhafte Trabverstärkung.



... deutlich erkennbare Unterschiede in der Trabverstärkung     (Fotos: Shutterstock)




Hilfengebung

Das Pferd muss über ein fortgeschrittenes Ausbildungniveau und einem bereits erheblichen Maß an Versammlung verfügen.
Zum Beginn des Trainings sollten nur ein paar "Tritte velängern" gefordert werden und diese Übung auch nicht zu oft wiederholt werden, um das Pferd weder psychisch noch physisch zu überfordern. Gerade zu Anfang ist es wichtig, dass erst gar keine Spannungen entstehen. Fehler, die sich zu Beginn einschleichen, lassen sich später nur schwer korrigieren.

In der Vorbereitung zur Verstärkung muss der Reiter sein Pferd etwas mehr aufnehmen, um aus dieser "Poolposition" die Verstärkung entwickeln zu können. Die treibenden Hilfen und die notwendige Rahmenerweiterung müssen sehr feinfühlig eingesetzt werden, damit das Pferd nachgiebig im Genick und losgelassen im Rücken bleibt. Es darf auf keinen Fall eiliger werden oder verspannte Tritte zeigen.
Bei der Rückführung dürfen die treibenden Hilfen nicht fehlen. In Verbindung mit weichen, annehmenden und nachgebenden Zügelparaden wird der Übergang zum versammelten Trab erreicht.
Für die Dosierung der Hilfen gibt kein allgemeingültiges Patentrezept. Sie muss individuell herausgefunden werden und hängt im Wesentlichen vom Ausbildungsstand und vom Temperament des Pferdes ab.


Hinweise

Wichtig ist, dass der Reiter das Pferd im Bewegungsablauf nicht stört. Er muss sich von der Bewegung mitnehmen lassen, was bei einem verstärkten Trab und im Moment der Tempoänderung nicht immer ganz einfach ist. Viele Reiter versuchen deshalb, mit einem Sitz in Rückenlage die Situation zu verbessern. Das ist jedoch ein eindeutiger Fehler. Zum einen kann die Mittelpositur nicht mehr genügend frei schwingen, der Reiter kommt hinter die Bewegung und läuft in Gefahr, in den Zügeln zu hängen. Zum anderen ist auch die Vorstellung, sein Pferd auf diese Art besser treiben zu können, absolut falsch. Ein Pferd lässt sich nicht über das Gewicht "anschieben"!

Sowohl bei gehfreudigen als auch bei triebigen Pferden gibt es oft Probleme durch vorauseilenden Gehorsam.

Eilige Pferde müssen zunächst einmal lernen, sich im Tempo spannungsfrei zurücknehmen zu lassen und auf Hilfen zu warten (Aus einem erhöhten Grundtempo kann keine korrekte Verstärkung entwickelt werden). Temporegulierungen und Übergänge, mit möglichst wenig Zügeleinwirkung und immer an einer anderen Stelle geritten, sind dafür gute Vorübungen.

Bei triebigen Pferden sind die Rückführungen das Problem. Sie kennen ihre Bahnpunkte und warten nur darauf, aus der anstrengenden Verstärkung entlassen zu werden. Beim Übergang zurück in den versammelten Trab fallen sie meistens auseinander. Auch sie müssen lernen, auf die Hilfen zu warten und sie korrekt auszuführen. Trabverstärkungsstrecken von unterschiedlicher Länge und an unter-schiedlichen Stellen erhöhen die Aufmerksamkeit.

Siehe auch Grundlagenthema:   Übergänge