Georg Domian





Eine Zusammenstellung von

Übungen,
       Lektionen,
            Hilfengebung
                 und Unterrichtsbeispielen

Übung / Lektion:

Schulterherein

Allgemeines:


    Schulterherein auf 3 Hufschlaglinien

Schulterherein gehört zu den echten Seitengängen und wird normalerweise im versammelten Trab geritten. Das Pferd wird nach innen gestellt und gebogen. Die Vorhand wird etwa 30° von der Bande abgestellt. Das Pferd bewegt sich auf drei Hufschlaglinien. Dabei sollen die Hinterbeine auf dem Hufschlag bleiben und geradeaus fußen. Das innere Hinterbein läuft in der Spur des äußeren Vorderbeins. Die Vorderbeine müssen bedingt durch die Abstellung etwas kreuzen.
Die Übung besitzt einen hohen gymnastischen Wert. Das Pferd muss vermehrt mit dem inneren Hinterbein unter seinen Schwerpunkt treten. Dadurch wird die Tragkraft der Hinterhand und die Hankenbeugung verbessert. Ein weiterer Schritt in Richtung Versammlung. Schenkelgehorsam und Längsbiegung werden verbessert und durch das Kreuzen der Vorderbeine wird die Schulterfreiheit gefördert.
In der barocken Form wird das Schulterherein mit einer Abstellung von ungefähr 45° und etwas weniger Biegung geritten. Bedingt durch die größere Abstellung muss das Pferd auch mit den Hinterbeinen kreuzen und es entstehen somit vier Hufschlaglinien.









Hilfengebung:

Die Vorstellung des Reiters, eine Volte einzuleiten, dann aber doch unter Beibehaltung der Längsbiegung geradeaus weiter zu reiten, ist oft sehr hilfreich und entspricht im Wesentlichen der Hilfengebung.

Zügel:
Schulterherein soll mit Stellung und Biegung geritten werden. Die Stellung wird erreicht, indem der innere Zügel leicht angenommen wird. Der äußere Zügel gibt geringfügig nach, um die Stellung zuzulassen und verwahrt dann. Der innere Zügel wird so leicht wie möglich geführt und korrigiert gegebenenfalls kurzzeitig die Stellung.

Schenkel:
Der innere Schenkel liegt treibend am Gurt und bildet mit dem äußeren Zügel die diagonale Hilfengebung. Er soll die Vorwärtstendenz erhalten und das innere Hinterbein untertreten lassen. Der äußere Schenkel liegt verwahrend eine Handbreit hinter dem Gurt und verhindert ein Ausweichen der Hinterhand. Zügel- und Schenkelhilfen zusammen ergeben die geforderte Längsbiegung.

Gewicht:
Laut FN ist das Reitergewicht nach innen verlagert. Die Gewichtsverlagerung ergibt sich automatisch, wenn der äußere Schenkel aus der Hüfte heraus zurückgenommen wird. Es gibt aber auch andere Meinungen namhafter Reiter und Ausbilder (siehe:   Hinweise).


Hinweise und mögliche Fehler:

  • Für das Pferd sind die Gewichtshilfen - genauso wie beim Schultervor - zunächst irritierend, weil es bisher gelernt hat, sich unter dem Reitergewicht auszubalancieren, indem es dem Reitergewicht folgt. Auch beim Schulterherein sitzt der Reiter gegen die Bewegungsrichtung. Daher vertreten viele Ausbilder die Meinung, das Reitergewicht in dem Moment zur Mitte oder sogar nach außen zu verlagern, indem man beginnt, auf drei Hufschlaglinien zu reiten.
    Grundsätzlich soll der Reiter mit seinem Kopf und Oberkörper in die Bewegungsrichtung des Pferdes schauen. Beherzigt er das auch bei dieser Übung, müsste er beim Geradeausreiten die Blickrichtung ändern. Dadurch würde automatisch sein Gewicht zur Sattelmitte und damit in die Bewegungsrichtung des Pferdes verlagert, so wie es nach der Gleichgewichtstheorie sein sollte. Für die Beibehaltung der Biegung ist diese Gewichtsverlagerung jedoch nachteilig. Letztlich ist die Harmonie zwischen Pferd und Reiter das entscheidende Kriterium.

  • Takt und Bewegungsfluss müssen auf jeden Fall erhalten bleiben.
  • Der innere Schenkel muss gegenenfalls etwas mehr treiben, damit das Pferd nicht auf die Idee kommt, abzuwenden.
  • Wenn der äußere Zügel zu sehr angenommen wird und die Stellung nicht zulässt, wird das Pferd versuchen, dem Druck auszuweichen und sich im Genick verwerfen.
  • Wenn der innere Zügel zu sehr angenommen wird, fällt das Pferd über die äußere Schulter aus. Dadurch wird das innere Hinterbein beim Untertreten behindert.
  • Die Lektion wird mit einem zu großen Abstellwinkel und ohne Längsbiegung geritten (vergleichbar dem Schenkelweichen).
  • Das Pferd wird mit zu viel Stellung und zu wenig Längsbiegung geritten.
  • Nach Beendigung der Lektion muss das Pferd wieder korrekt gerade gestellt werden, indem die Vorhand auf den Hufschlag zurückgeführt wird.


Konterschulterherein:



            Schulterherein          Konterschulterherein

Schulterherein und Konterschulterherein sind, wie auf der Fotomontage gut erkennbar, vom Prinzip identisch. Stellung und Biegung sind für das Pferd absolut gleich. Der Unterschied besteht nur in der Stellung zur Bande. Das Konterschulterherein wird auf dem zweiten oder dritten Hufschlag geritten, damit die Vorhand - bei Stellung und Biegung - in Richtung Bande geführt werden kann (und nicht die Hinterhand in Richtung Bahninneres!). Die Lektion verbessert die symmetrische Längsbiegung und damit das Geraderichten, weil die Anforderungen an die Muskulatur der hohlen und festen Seite des Pferdes vertauscht werden. Die Lektion ist etwas schwieriger zu reiten, weil die Hinterhand nicht mehr durch die Bande "bewacht" wird. Dafür wird nun der innere Schenkel mehr unterstützt. Auf der festen Seite des Pferdes kann sich das vorteilhaft auswirken.




Beispiele:

Entwicklung des Schulterhereins aus der Volte unter Mitnahme der Biegung. Anfangs sollte man sich mit wenigen Tritten begnügen, das Pferd überschwänglich loben und es wieder wieder korrekt geradestellen.

Auf freier, gerader Linie gestaltet sich das Schulterherein schwieriger. Entscheidend für die Einhaltung einer geraden Linie ist die richtige Dosierung und das exakte Zusammenspiel aller Hilfen. Auch hier gilt für den Anfang: wenig ist mehr!



Schulterherein mit anschließendem Tritte verlängern bietet sich an, weil das Pferd versammelt ist und nur darauf wartet, die Schubkraft aus der Hinterhand ins Vorwärts entfalten zu können.

Entwicklung des Konterschulterhereins aus der Ecke kehrt. Auch hier wird die Biegung aus der Kehrtvolte mitgenommen und die begrenzende Wirkung der Bande ausgenutzt.



Aus dem Zirkel wechseln unter Beibehaltung von Stellung und Biegung ist nicht nur eine anspruchsvolle Übung, sie trägt auch wesentlich zur Verbesserung der symmetrischen Längsbiegung bei   (siehe:  Geraderichten).
Das Pferd empfindet den Wechsel aus der Konterstellung hinein in die Bewegungsrichtung als angenehm und akzeptiert daher leichter die Biegung auf seiner festen Seite. Anschließendes Leichttraben bewirkt eine weitere Motivation.

Beispiel für ein links schiefes Pferd






geeignete Hufschlagfiguren:

a)   auf geraden Linien:
1      ganze Bahn, 1. Hufschlag
2      ganze Bahn, 2. Hufschlag
6      Mittellinie
7      Viertellinie
b)   auf gebogenen Linien:
9      Zirkel
16      Volten