Schulterherein

Schulterherein gehört zu den echten Seitengängen und wird normalerweise im versammelten Trab geritten. Das Pferd ist dabei nach innen gestellt und gebogen. Die Vorhand wird etwa 30° von der Bande abgestellt. Die Hinterbeine bleiben auf dem Hufschlag und sollen nahezu geradeaus fußen. Daraus ergibt sich zwangsläufig die gewünschte Längsbiegung. Die Vorderbeine müssen bedingt durch die Abstellung etwas kreuzen.
Im Schulterherein bewegt sich das Pferd auf drei Hufschlaglinien. Von vorne betrachtet fußt das innere Hinterbein in die Spur des äußeren Vorderbeins.
Die Übung besitzt einen hohen gymnastischen Wert. Das Pferd muss vermehrt mit dem inneren Hinterbein unter seinen Schwerpunkt treten. Dadurch wird die Tragkraft der Hinterhand und die Hankenbeugung verbessert. Ein weiterer Schritt in Richtung Versammlung. Schenkelgehorsam und Längsbiegung werden verbessert und durch das Kreuzen der Vorderbeine wird die Schulterfreiheit gefördert.
In der barocken Form wird das Schulterherein mit einer Abstellung von ungefähr 45° und etwas weniger Biegung geritten. Bedingt durch die größere Abstellung muss das Pferd auch mit den Hinterbeinen kreuzen und es entstehen somit vier Hufschlaglinien.







Hilfengebung

Die Vorstellung des Reiters, eine Volte einzuleiten, dann aber doch unter Beibehaltung der Längsbiegung geradeaus weiter zu reiten, ist oft sehr hilfreich und entspricht im Wesentlichen der Hilfengebung.

Zügel:
Schulterherein soll mit Stellung und Biegung geritten werden. Die Stellung wird erreicht, indem der innere Zügel leicht angenommen wird. Der äußere Zügel gibt geringfügig nach, um die Stellung zuzulassen und verwahrt dann. Der innere Zügel wird so leicht wie möglich geführt und korrigiert gegebenenfalls kurzzeitig die Stellung.

Schenkel:
Der innere Schenkel liegt treibend am Gurt und bildet mit dem äußeren Zügel die diagonale Hilfengebung. Er soll die Vorwärtstendenz erhalten und das innere Hinterbein untertreten lassen. Der äußere Schenkel liegt verwahrend eine Handbreit hinter dem Gurt und verhindert ein Ausweichen der Hinterhand. Zügel- und Schenkelhilfen zusammen ergeben die geforderte Längsbiegung.

Gewicht:
Laut FN ist das Reitergewicht nach innen verlagert. Die Gewichtsverlagerung ergibt sich automatisch, wenn der äußere Schenkel aus der Hüfte heraus zurückgenommen wird. Es gibt aber auch andere Meinungen namhafter Reiter und Ausbilder (siehe:   Hinweise).



Hinweise und mögliche Fehler:




Konterschulterherein

Auf gerader Linie geritten sind Schulterherein und Konterschulterherein vom Prinzip identisch (siehe Fotomontage). Stellung und Biegung sind für das Pferd absolut gleich. Der Unterschied besteht nur in der Abstellung zur Bande.
Das Konterschulterherein ist im Gegensatz zum Schulterherein keine Prüfungslektion, sondern eine reine Trainingseinheit. Die Übung wird auf dem zweiten oder dritten Hufschlag geritten, damit die Vorhand - unter Beibehaltung der Stellung und Biegung - in Richtung Bande geführt werden kann (und nicht die Hinterhand in Richtung Bahninneres!).
Die Lektion verbessert die symmetrische Längsbiegung und damit das Geraderichten, weil die Anforderungen an die Muskulatur der hohlen und festen Seite des Pferdes vertauscht werden. Die Lektion ist etwas schwieriger zu reiten, weil die Hinterhand nicht mehr durch die Bande "bewacht" wird. Dafür wird nun der innere Schenkel mehr unterstützt. Auf der festen Seite des Pferdes kann sich das vorteilhaft auswirken.
Das Reiten von Seitengängen auf gebogenen Linien ist nicht nur anspruchsvoller, es hat auch einen erhöhten Trainingseffekt. Die Unterschiede zu den Konterlektionen werden hierbei deutlich und können besser genutzt werden (siehe Beispiele).



Beispiele:

Entwicklung des Schulterhereins aus der Volte unter Mitnahme der Biegung. Anfangs sollte man sich mit wenigen Tritten begnügen, das Pferd überschwänglich loben und es wieder korrekt geradestellen.

Auf freier, gerader Linie gestaltet sich das Schulterherein schwieriger. Entscheidend für die Einhaltung einer geraden Linie ist die richtige Dosierung und das exakte Zusammenspiel aller Hilfen. Auch hier gilt für den Anfang: wenig ist mehr!



Schulterherein mit anschließendem Tritte verlängern bietet sich an, weil das Pferd versammelt ist und nur darauf wartet, die Schubkraft aus der Hinterhand ins Vorwärts entfalten zu können.

Das Konterschulterherein lässt sich gut aus einer Kehrtvolte entwickeln. Auch hier wird die Biegung und die Abstellung aus der Volte möglichst beibehalten und die begrenzende Wirkung der Bande ausgenutzt.



Schulterherein und Konterschulterherein auf gebogenen Linien erfordern vom Pferd und Reiter mehr Geschicklichkeit. Die nachfolgende Übung verbessert sowohl die Versammlung als auch die symmetrische Längsbiegung und damit auch das Schulterherein selbst. Es ist sinnvoll, den Zirkel so anzulegen, dass ein Wechsel von der hohlen Seite des Pferdes zu seiner festen Seite erfolgt

Begründung: Auf dem Zirkel ist das Konterschulterherein für das Pferd anstrengender, weil das innere (hier das rechte!) Hinterbein einen längeren Weg hat. Um auf der Zirkellinie zu bleiben und den Takt zu halten, muss das Pferd mit seinem inneren Hinterbein fleißig nach vorn unter seinen Schwerpunkt treten. Gleichzeitig wird es mit dem inneren Schenkel und dem äußeren Zügel auf der Zirkellinie gehalten. Es muss also an den äußeren Zügel herantreten. Beides ist gewünscht und erhöht den Trainingseffekt.
Wird anschließend aus dem Zirkel unter Beibehaltung von Stellung und Biegung gewechselt, geht die Übung nahtlos ins Schulterherein über. Jetzt hat das innere Hinterbein den kürzeren Weg. Es kann gebeugt unter den Schwerpunkt treten. Das Pferd empfindet den Wechsel aus der anstrengenden Konterstellung hinein in das leichtere Schulterherein als angenehm, verbindet dieses Gefühl mit dem Schulterherein und akzeptiert wahrscheinlich auch die Biegung auf seiner festen Seite eher. Anschließendes Leichttraben bewirkt eine weitere Motivation.